Die Übersichtskarte zur Luminale – Biennale der Lichtkultur 11.4.–16.4.2010: Auf der Karte sind die Schauplätze der Luminale markiert. Klicken Sie auf die einzelnen Pins. Wollen Sie weitere Informationen – Klicken Sie auf die Projekt-Titel. Aktuelle Nachrichten zur Luminale finden Sie unter Luminale-Portal. Das komplette Programm nach Nummern finden Sie unter Luminale Programm.

5. September 2009

Luminale 2010 – Die Biennale der Lichtkultur

Ostern 2009 hat der Countdown für die Luminale 2010 mit dem ‘Call for Projects’ begonnen. Die Luminale ist ein internationales Lichtkultur-Festival, das alle zwei Jahre in Frankfurt am Main und der gesamten Rhein-Main-Region stattfindet. Neben Frankfurt am Main sind Offenbach, Rüsselsheim, Mainz und Wiesbaden die Spielorte des Festivals. Das Konzept wurde im Jahr 2000 entwickelt und erstmals 2002 realisiert. 2006 beim dritten Mal waren rund 180 Licht-Projekte und rund 160 Veranstaltungen in Museen und Galerien, an Hochhausfassaden und in Lagerhallen, auf Straßen und Plätzen, in Kirchen und Parks, an Flussufern und Brücken zu sehen. 2008 stieg die Zahl der Projekte auf 227 mit rund 180 Veranstaltungen.

Die Luminale konnte eine eigene Tradition als Lichtkultur-Festival begründen. Das Konzept ist vom ältesten Lichtfest in Lyon, der über 150 Jahre alten „fete des lumières“, inspiriert. Eine Vielfalt von Licht-Installationen, Lichtkunst, Performances, Lichtklang-Installationen inszeniert die Möglichkeiten im Umgang mit Licht. Die Luminale ist deshalb eine Präsentationsplattform für Architekten, Designer, Stadtplaner und Künstler, neue Arbeiten und Produktideen im Rahmen des Festivals der Öffentlichkeit vorzustellen. Regelmäßig erhalten Luminale-Projekte Design- und Architekturpreise.

Die Luminale hat im Unterschied zu anderen Festivals einen internationalen Charakter und eine internationale Ausstrahlung. Sie findet zeitgleich zur Weltmesse des Lichtes statt: der Light+Building auf dem Frankfurter Messegelände. Zu dieser Messe kommen aus der ganzen Welt die Fachleute für Lichtgestaltung. Unter den rund 165.000 internationalen Gästen (2008) befinden sich 40.000 Architekten, die neben der Messe die Luminale besuchen. Buslinien sorgen dafür, dass die internationalen Besucher wie auch das Publikum aus der Region die einzelnen Licht-Installationen leicht aufsuchen und miteinander vergleichen können.

Die Luminale wendet sich mit dem Programm sowohl an ein internationales Fachpublikum als auch an die Öffentlichkeit vor Ort. Das unterscheidet die Luminale von anderen Lichtereignissen, bei denen eindeutig kommerzielle und touristische Ziele dominieren. Die Luminale ist ein öffentlich zugängliches Lichtlabor. Innovation und Experiment stehen im Vordergrund, weit weniger die vielfach erprobten Schauspiele der Illumination für ein Massenpublikum. In vieler Hinsicht ist die Luminale ein Art Meta-Festival. Wer bei der Luminale Anerkennung der Fachwelt findet, wird auch auf andere Licht-Festivals eingeladen.

Die Bedeutung des Lichtes nimmt mit der Verstädterung der Welt zu. 2006 lebten weltweit erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Lande. Licht und Elektrizität sind die wichtigsten Medien des Urbanen. In dieser Hinsicht ist die Luminale ein Urban Age Festival, das die Entwicklung des Urbanen reflektiert.

Die Luminale hat sich bei verschiedenen Foto-Communities als fester Termin etabliert. Professionelle wie Hobby-Fotografen nutzen die Luminale als Foto-Shooting und präsentieren die Ergebnisse ihrer Stadtwahrnehmungen in Ausstellungen und auf verschiedenen Websites. Deshalb ist die Luminale auch im Internet umfassend und auf Dauer dokumentiert.

Das Konzept der Luminale hat viele Wurzeln. Es wurde von dem Kulturwissenschaftler Helmut M. Bien im Auftrag der Messe Frankfurt entwickelt. Organisatorisch wurden Veranstaltungsformen miteinander kombiniert, die neben der Fete de Lumières in Lyon auf das international erfolgreiche Konzept der „Museums Nights“ und Design-Off-Programme wie die „Design Horizonte“ (Michael Peters) der 80er Jahre zurückreichen.

Die Luminale als Veranstaltung der Stadtwahrnehmung und der temporären Stadtveränderung hat ihre philosophischen Wurzeln in den Theorien und Reflexionen zum Flaneur (Passagenwerk, Walter Benjamin), der Spaziergangswissenschaft von Lucius Burkhardt und den Wanderungen des Peripathetikers Bazon Brock (Im Gehen Preußen verstehen). Sie alle begreifen den öffentlichen Raum als Imaginationsfläche, auf der die Wünsche, Interessen, Traditionen und Begehrlichkeiten einer Gesellschaft verhandelt werden. Ästhetik ist für sie die Wissenschaft von der Wahrnehmung.

Ausgehend von den Aktionen der Situationistischen Internationalen (Guy Debord) der späten 60er Jahre, in denen die Unwirtlichkeit der Städte und deren Wiederaneignung thematisiert wurden, wächst seit Jahren das Interesse einer jüngeren Architektengeneration am Problem Stadtaneignung rasant. Die realisierten Projekte bringen die temporären und performativen Aspekte der Architektur zum Vorschein: In schrumpfenden Städten Lücken und Unorte mit neuem Leben zu erfüllen, für Slums und Favelas der Megacities transitorische Lösungen zu finden, Stadtbrachen eine Zeitlang zu bespielen oder Festarchitekturen zu entwickeln, geben dem öffentlichen Raum neue Attraktivität und veränderte Bedeutungen. „Temporärer Urbanismus“ ist das Stichwort. Auch das Thema „Kunst im öffentlichen Raum“ gehört in diesen Kontext. Das bekannteste Projekt: Die Münsteraner Skulpturen-Projekte (Kaspar König) gibt Künstlern eine Plattform, die mit der Öffentlichkeit und der Wahrnehmung experimentieren. Auch die „Urban Art“ oder „Street Art“ gehört in diesen Kontext.

Für temporäre wie performative Gestaltungsstrategien ist Licht ein nahe liegendes, effektvolles, gut verfügbares und auch kostengünstiges Medium. Diese Tendenzen in Architektur und Kunst greift die Luminale auf und übersetzt sie in ein Festivalprogramm. Informationen bei Projektbüro Luminale